93. Der Kaufmann und die weiße Blume

Es lebte einmal ein reicher Kaufmann, der hatte drei Töchter. Einmal ging er auf den Jahrmarkt und fragte seine Töchter: "Was soll ich euch vom Jahrmarkt mitbringen?" Die Älteste sagte: "Ich will ein seidenes Kleid." Die Mittlere sagte: "Ich will einen goldenen Ring." Die Jüngste sagte: "Ich will eine weiße Blume." Der Vater versprach, alle diese Dinge mitzubringen. Nun ging er auf den Jahrmarkt und kaufte die anderen Sachen, aber eine weiße Blume konnte er nirgends bekommen. Schließlich ging er zu einer Hexe, um sie zu fragen, wo er eine solche Blume erhalten könnte. Die Hexe sagte: "Die bekommst du nur links am Ende der Welt. Dort steht ein großer Wald, und in ihm wachsen solche Blumen."

Der Kaufmann ging ans Ende der Welt und bog nach links ein. Nun ging er auf den Wald zu und war froh, als er Blumen sah. Schließlich erblickte er vor sich eine schöne Blume, aber sobald er sie aus der Erde reißen wollte, sagte eine Stimme: "Rühr mich nicht an!"

Plötzlich gewitterte es so stark, daß die Erde bebte. Nach dem Donner erschien an Stelle der Blume ein Mann mit starken Zähnen und sagte: "Gib mir die, der du die Blume bringst!" Der Kaufmann versprach es.

Da brachte der Kaufmann die Blume nach Haus und übergab sie seiner Tochter. Dann schickte er seine Tochter dorthin. Als sie dort ankam, wollte sie den Mann sprechen. In der Zeit, als der Kaufmann nach Haus ging, war aber dort ein Schloß aus dem Erdboden emporgewachsen. Zum Schluß ging sie ins Schloß und wollte ihn sehen, aber eine Schrift in goldenen Buchstaben erschien an der Wand, die sagte: "Du darfst mich nicht sehen, denn wenn du mich siehst, erschrickst du." Das Mädchen sagte: "Ich will dich aber sehen."1Schließlich kam er, aber das Mädchen wurde ohnmächtig und fiel zu Boden. Auf einmal fühlte sie sich aber plötzlich im Bett. Sie lag dort drei Tage in Ohnmacht. Dann kam ein Brief, daß ihr Vater krank sei und bitte, daß sie ihn besuchen komme. Das Mädchen bat um Erlaubnis, den Vater zu besuchen. Er erlaubte es ihr zu gehen, aber nur für drei Tage. Nun gab er ihr einen Ring und sagte: "Diesen Ring steck dir an den Finger, und wenn du irgendwohin gehen willst, dann dreh ihn!"

Die Tochter drehte den Ring und war auch gleich vor der Tür des Vaters. Sie trat ein, aber der Vater war tot. Sie erweckte den Vater zum Leben und weilte bei ihm bis zur letzten Minute. Dann drehte sie den Ring in der entgegengesetzten Richtung und war wieder zurück. Sie ging ins Zimmer, aber im Zimmer war niemand. Sie ging in den Garten und siehe, der Mann lag tot im Garten. Die Tochter fiel ihm um den Hals und sagte: "Ich liebe dich!" Aber sobald sie dieses gesagt hatte, stand er mit einem schönen Gesicht auf und sagte: "Ich bin durch eine Hexe hierher geraten, aber wenn mich irgendjemand liebt, werde ich zum Menschen wie alle anderen." Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.