206. Wie der Riegenaufseher den Teufel los wurde

Eine Riege war der Lieblingsaufenthalt einer Teufelsgesellschaft geworden. Am Abend und in der ersten Hälfte der Nacht hörte man, wie die Teufel drinnen lärmten. Auch wenn in der Riege gearbeitet wurde, saß der Teufel da. Er hatte ein Pferdefell in der Hand und schrieb alle Fluchwörter auf, die er von den Fronknechten hörte.

Wenn der Riegenaufseher ("Riegenpfaffe") sich am Abend Kartoffeln oder Rüben kochte, war der Teufel auch gleich da und aß gewöhnlich fast alles allein auf. Das verdroß den Riegenaufseher, und er gab dem Teufel zuweilen Steine statt Rüben. Der machte davon jedoch nicht viel her: er aß die Steine auf und meinte nur, diesmal seien die Rüben noch nicht gar genug gewesen.

Einst ging der Teufel mit dem Riegenaufseher in den Gutskeller stehlen. Dort war es dunkel, und da sie keine Streichhölzer mitgenommen hatten, zündete der Teufel an seinen Zähnen Feuer an. Darüber erschrak der Riegenaufseher so, daß er Gottes Namen rief. Als der Teufel das hörte, verschwand er sofort.

Am nächsten Morgen fanden die Mägde den Riegenaufseher und waren sehr verwundert, daß er in den Keller gedrungen war, ohne auch nur eine Tür zu öffnen. Sie brachten ihn heraus und banden ihn an einen Pfosten, um ihn für den Einbruch zu verprügeln. Der Teufel legte aber einen Strohwisch an den Pfosten und befreite seinen Freund. Vergebens fragten nun die Leute die Strohpuppe, wie sie in den Keller gekommen sei. Sie erhielten keine Antwort.

Einst schmolz der Riegenaufseher Zinn und sagte zu dem Teufel, das sei ein Arznei für Augen. Der Teufel wollte gern neue Augen haben und ließ sich Zinn in die Augen gießen. Der Riegenaufseher hatte ihm früher gesagt, sein Name sei "Selbst". Der vor Schmerz heulende Teufel schrie allen Vorübergehenden zu: "Selbst hat das getan!" Die Leute lachten ihn aus und gingen weiter.